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Archive for the ‘Wissenschaftl. Studien’ Category

… aber Studie bemängelt konzeptionelles Vakuum / Nur 13 Prozent der Schüler besuchen eine gebundene Ganztagsschule

Gütersloh, 05.06.2012

Gute Rahmenbedingungen für individuelle Förderung vor allem in gebundenen Ganztagsschulen – flächendeckender Ausbau kostet jährlich 9,4 Milliarden Euro zusätzlich

Immer mehr Schulen in Deutschland stellen auf Ganztagsbetrieb um, aber es fehlen übergreifende Konzepte und Qualitätsstandards. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die das „Reformprojekt Ganztagsschule“ auf den Prüfstand stellt. Im Schuljahr 2010/11 machte mehr als jede zweite Schule Ganztagsangebote (51,1 Prozent). Gegenüber dem Schuljahr zuvor bedeutet dies einen Anstieg um mehr als acht Prozent. Der Anteil der Schüler, die diese Ganztagsangebote nutzen, steigt dagegen vergleichsweise langsam, von 26,9 Prozent im Schuljahr zuvor auf nun 28,1 Prozent.
Zugang zu einer gebundenen Ganztagsschule, in der die Teilnahme am ganztägigen Unterricht für alle Schüler verbindlich ist, haben lediglich 12,7 Prozent der Schüler (Vorjahr: 11,9). Dieser Form der Ganztagsschule attestiert die Studie besonders große Möglichkeiten, das soziale und kognitive Lernen zu fördern. „Die gebundene, für alle Schüler verbindliche Ganztagsschule bietet gegenüber der offenen Ganztagsschule die besseren Rahmenbedingungen, um jedes Kind individuell zu fördern“, sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Zudem sei es einfacher, Konzentrations- und Entspannungsphasen abzuwechseln und den starren 45-Minuten-Takt aufzubrechen.
Die gebundene Ganztagsschule ist zugleich der teuerste Schultyp unter den Ganztagsmodellen. In einer zweiten aktuellen Studie hat der Essener Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass die Länder 9,4 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr investieren müssen, wenn alle Schüler ganztägig unterrichtet werden. Der größte Teil dieser Zusatzkosten entfiele auf die Länder Nordrhein-Westfalen (2,0 Mrd.), Bayern (1,7 Mrd.) und Baden-Württemberg (1,4 Mrd.).
Damit die Ganztagsschule ihr Potenzial ausschöpfen kann, nennt die DJI-Studie drei wesentliche Faktoren: Erstens eine regelmäßige Teilnahme aller Schüler, zweitens eine hohe Qualität der Lernangebote und drittens eine Einbettung in kommunale Bildungslandschaften – also die Zusammenarbeit etwa mit Kindertagesstätten, anderen Schulen, Ausbildungsbetrieben, Musikschulen und Sportvereinen.
Um dem quantitativen und qualitativen Ausbau den nötigen Nachdruck zu verleihen, spricht sich Dräger für einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz aus. „Jedes Kind in Deutschland sollte die Möglichkeit haben, eine gebundene Ganztagsschule zu besuchen. Mehr Ganztagsschulen alleine helfen allerdings nicht. Wir müssen auch dringend das konzeptionelle Vakuum überwinden, das die Ganztagsschule heute noch umgibt“, sagte Dräger. Der weitere Ausbau solle sich am Leitbild der individuellen Förderung orientieren, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern. „Sonst werden die Potenziale der Ganztagsschule weitgehend verschenkt“, so Dräger.
Bildungsforscher Prof. Thomas Rauschenbach bemängelt als Autor der DJI-Studie, der bisherige Ausbau sei „eine Reise in die Zukunft ohne klares Ziel“. Der Ausbau der Ganztagsschulen, eines der größten Reformprojekte im Bildungswesen, hat bislang höchst unterschiedliche Organisationsformen und Typen hervorgebracht: Offene, gebundene oder teilgebundene Ganztagsschulen, also mit freiwilliger bis verpflichtender Teilnahme, variieren erheblich in Zeitstruktur, Kooperationen, Angeboten und individueller Förderung.
Auch beim quantitativen Ausbau bestehen große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die meisten Ganztagsschulen gibt es in Sachsen mit 96,5 Prozent aller Schulen. Dort nutzen mit 73,3 Prozent auch die im Ländervergleich meisten Schüler entsprechende Angebote. Die wenigsten Ganztagsschulen weist Sachsen-Anhalt mit 24,6 Prozent aller Schulen auf. Den deutschlandweit geringsten Anteil von Schülern, die ganztägig zum Unterricht gehen, hat Bayern mit 10,5 Prozent.

Publikationshinweise:

Bertelsmann Stiftung (Hrsg): Ganztagsschule als Hoffnungsträger für die Zukunft? Ein Reformprojekt auf dem Prüfstand. Expertise des Deutschen Jugendinstituts (DJI) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Gütersloh 2012. http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-58DD663F-E17C900C/bst/hs.xsl/publikationen_112227.htm

Klaus Klemm: Was kostet der gebundene Ganztag? Berechnungen zusätzlicher Ausgaben für die Einführung eines flächendeckenden Ganztagsangebots in Deutschland im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2012. www.bertelsmann-stiftung.de/ganztag

Bundesländerberichte zur Studie Ganztagsschule

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Schlechtes Zeugnis fürs Schulsystem

tagesschau.de, 12.03.2012

Wie werden starke, wie werden schwache Schüler gefördert? Wie gehen die Schulsysteme der Länder mit Vielfalt um? Diesen Fragen geht eine Bildungsstudie mit dem Titel Chancenspiegel des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung (IfS) nach, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellt wurde.
Danach haben Kinder armer Eltern oder von Migranten nach wie vor in allen Bundesländern deutlich geringere Chancen, nach der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen, als Kinder von Akademikern. Nach wie vor besteht also eine Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. …>> weiter

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StEG, die „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“, wird bis 2015 weitergeführt und startet 2012 mit einer Befragung von Schulleiterinnen und Schulleitern.

Bundesministerium für Bildung und Forschung, 19.01.2012

Das Besondere: Statt bisher 14 Länder werden sich künftig alle Bundesländer an der Begleitforschung des Bundes beteiligen. Das Ziel: In der Fortsetzung der Studie steht die Qualität der Ganztagsangebote und die individuelle Förderung im Fokus.

Die wichtigsten Ergebnisse der bisherigen Begleitforschung zum Ausbau der Ganztagsschulen durch die Bundesregierung stehen inzwischen gedruckt und gebunden zum Nachlesen bereit. Eine ganze Reihe wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren haben sich zusammengetan, um unter Leitung prominenter Bildungsforscher einen Band herauszugeben, in dem die untersuchten Wirkungen von Ganztagsschulen nach Schwerpunkten sortiert und erläutert werden. Mehr als 350 Seiten „Wissen über Ganztag“, angereichert mit Grafiken und Tabellen, sind so entstanden. Danach verbessern Ganztagsangebote bei regelmäßiger Teilnahme insbesondere in der Grundschule und in den Klassen 5 bis 7 das Sozialverhalten, die Schulfreude und die Schulmotivation. Im Folgenden wird auf einige Inhalte näher eingegangen.
Noch ein Fazit vorweg: Der Besuch von Ganztagsschulen alleine bewirkt noch keine Wunder, so formulieren es die Autoren selber. Wenn jedoch Angebotsqualität und die Schüler-Betreuer-Beziehung stimmen, dann profitieren Schülerinnen und Schüler insbesondere in ihrem schulischen Wohlbefinden und in ihrer Lernzielorientierung vom Besuch einer Ganztagsschule. Oder anders: „Einer der wichtigsten Faktoren hinsichtlich einer qualitativen Anreicherung der Lernkultur ist . das Schulklima“ (S. 347), fassen die Professoren Eckhard Klieme (DIPF, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung) und Thomas Rauschenbach (DJI, Deutsches Jugendinstitut) in ihrer Bilanz zusammen. …>> weiter

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Ergebnisse des Länderreports Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann-Stiftung Pressemeldung, 19.12.2011

Während eine flächendeckende Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern in fast ganz Europa Standard ist, herrscht in Deutschland noch immer Aufholbedarf – insbesondere im Westen. In den ostdeutschen Bundesländern besuchten Anfang 2010 zwar gut drei Viertel (75,4 Prozent) der Grundschulkinder ein Ganztagsangebot, in den westdeutschen Ländern war es aber nur etwas mehr als jedes fünfte Kind (21,4 Prozent). Die Betreuung findet in Deutschland einerseits in Kindertageseinrichtungen, den Horten, statt, andererseits in Ganztagsschulen. Verbindliche Qualitätsstandards für Betreuungsumfang und für  pädagogisches Fachpersonal gibt es jedoch fast nur in den Horten. Das sind zentrale Ergebnisse des Länderreports Frühkindliche Bildungssysteme 2011, den die Bertelsmann Stiftung heute vorgestellt hat. … >> weiter 

Kommentar: zur Studie von Ganztagsbetreuung – Von Qualität keine Rede

op-online.de

Bevor die Studie der Bertelsmann-Stiftung aber zu Übermut und dem Gefühl, anständig seine Hausaufgaben gemacht zu haben, verführt, sei der ermittelten Quantität die wenig greifbare Qualität gegenübergestellt. Denn was hierzulande als tägliche Schulzeitverlängerung angeboten wird, kann selten mit dem mithalten, was andere europäische Staaten Kindern als pädagogisch überlegte Betreuung angedeihen lassen. Das Prädikat „Ganztagsschule“ stellt in Hessen in der Regel einen Etikettenschwindel dar. Die Landesregierung feiert sich fürs Bezahlen und fürs Delegieren. Die Organisation und Gestaltung der Angebote ist oft überforderten Schulleitungen und Amateuren überlassen. Das System ruht auf den Schultern von ehrenamtlich geleiteten und ohne Zweifel sehr verdienstvollen Elternfördervereinen. Das kann klappen. Aber fast ausnahmslos auf deren dauerhaftes Engagement zu bauen, zeugt indes schon von viel Vertrauen in elterliches Durchhaltevermögen.Zudem müssen sich die rührigen Vereine wegen ihrer bescheidenen Finanzausstattung auf meist pädagogisch unbelastete und unterschiedlich fähige 400-Euro-Kräfte stützen. Diese bemühen sich gewiss nach Kräften um die ihnen anvertrauten Kinder; gute Ergebnisse beruhen auf personellen Zufällen. Mit echter Ganztagsschule aber hat dieses System nichts zu tun, dafür aber mit einem gewissen Maß an Augenwischerei.  >> weiter

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Augsburger Allgemeine, 30.11.2011

Der Pisa-Schock traf tief. Als vor zehn Jahren erstmals die OECD die Ergebnisse ihrer internationalen Bildungsstudie veröffentlichte, war es vorbei mit der selbstgefälligen Ruhe im bundesdeutschen Bildungswesen. Über Jahrzehnte hatte man sich auf Altbewährtes verlassen – und nun kam die Quittung. Die Schüler des Landes der Dichter und Denker waren nur Mittelmaß. Das dünn besiedelte Finnland, ein halbes Jahr lang in Winterdunkel gehüllt, hatte alle überflügelt. Deutsche Bildungspolitiker aller Parteien reisten nach Helsinki, um sich vor Ort ein Bild von den Pisa-Siegern zu machen.
Viele kamen ernüchtert zurück. Das finnische Erfolgsrezept ließ sich kaum auf die Schulen hierzulande übertragen. Das Gute am Pisa-Schock aber war: Bildung stieg plötzlich zu einem zentralen Thema in der Politik, in den Medien und in der gesellschaftlichen Diskussion auf. Der hohe Stellenwert von Bildung für die Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt hatte sich im Bewusstsein der Nation etabliert. … >> weiter 

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welt online, 28.02.2011

Eine Studie vergleicht die Situation von Zuwanderern in 27 EU-Staaten. Für Migranten sind die Bedingungen in Deutschland nur „halbwegs günstig“. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Bedingungen für Zuwanderer in Deutschland „halbwegs günstig“. Zu diesem Fazit kommt eine Studie des britischen Kulturinstituts British Council.  …

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Informationen rund ums Pferd

WIRTSCHAFTREGIONAL.net, 08.12.2010

Bildungspolitiker diskutieren über Konsequenzen aus den Ergebnissen der jüngsten PISA-Studie. Der bayerische Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (CSU), forderte am Mittwoch Verbesserungen beim Lehramtsstudium. Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) mahnte zu weiteren Anstrengungen. SPD und Grüne forderten als Konsequenz aus der neuen PISA-Schulstudie die Einführung einer flächendeckenden und verpflichtenden Ganztagsschule und eine Abschaffung des Kooperationsverbots, das Finanzhilfen des Bundes für Länder in Bildungsfragen weitgehend untersagt.Spaenle sagte: “Noch immer regiert zu viel Zufall bei der Frage, wer an deutschen Hochschulen ein Lehramtsstudium anfängt.” Deutschland müsse zum einen klare Einigungskriterien setzen und eine systematische Beratung anbieten, bevor junge Menschen das Studium aufnehmen. “Zum anderen haben wir die Bedeutung von Praktika an den Schulen während des Studiums bisher unterschätzt”, räumte Spaenle ein. Wichtig sei auch, dass die Universitäten um die besten Lehramtsstudenten in einen offenen Wettbewerb treten. 

Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) forderte weitere Anstrengungen. “Wir müssen unsere Anstrengungen vor allem bei der frühkindlichen Bildung, der Sprachförderung und der Entwicklung der Lesekompetenz verstärken”, sagte Althusmann der Zeitung. Niedersachsen werde hier Schwerpunkte setzen. “Einen besonderen Fokus werden wir auch auf den geschlechtsspezifischen Unterricht von Jungen und Mädchen legen”, kündigte Althusmann an. “Wir müssen Lernstrategien entwickeln, mit deren Hilfe wir vor allem das Interesse am Lesen stärken, gerade auch bei Jungen.”

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: “Ganztagsschulen, auch schon in der Grundschule, sollten flächendeckend eingeführt und zur Regelschule werden.” Das Kooperationsverbot müsse endlich wegfallen, damit Bund, Länder und Kommunen dringend notwendige Verbesserungen im Bildungsbereich gemeinsam leisten könnten.

Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, sagte: “Mit den bisherigen Bemühungen kommt Deutschland nicht aus dem Mittelmaß. Wir brauchen von der Grundschule bis zum Abitur die Ganztagsschule als Regelschule.” Er forderte zudem ein “Nationales Ganztagsschulprogramm”, das die Länder mit Hilfe des Bundes finanzieren müssten. Dafür will Oppermann auch das Kooperationsverbot kippen. “Für ein solches Programm müssen wir Milliarden mobilisieren. Das schaffen die von Einnahmeverlusten durch schwarz-gelbe Steuergeschenke gebeutelte Länder nicht allein. Das darf nicht an fehlenden Zuständigkeiten im Grundgesetz scheitern”, sagte Oppermann.

Auch aus der Union kamen Forderungen nach einer Aufhebung des Kooperationsverbotes bei der Bildung. Das strenge Kooperationsverbot verhindere “bessere Lösungen im Bildungsbereich”, sagte der bildungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Albert Rupprecht (CSU). “Das ist ein Hemmschuh auf dem Weg zur Bildungsrepublik.” Die Argumentation der Länder, der Bund könnte ihnen ja mehr Geld geben, um Bildungsaufgaben zu finanzieren, greife so nicht. “Denn der Bund kann den Ländern nicht vorschreiben, wofür sie das Geld ausgeben sollen”, sagte Rupprecht.

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